20.09.2019

Pkw–Unterführung am Bahnhof in Söllingen

Die Pkw–Unterführung am Bahnhof in Söllingen ist wieder auf der Tagesordnung des Gemeinderats – und das ist gut so. Bereits im Jahr 2016 war das große Interesse der Bevölkerung erkennbar, die Frage nach der Pkw–Unterführung durch einen Bürgerentscheid zu beantworten. Dieses demokratische Instrument wurde durch den Gemeinderat leider abgelehnt, obwohl es über 1400 Bürgerinnen und Bürger innerhalb von nur zwei Wochen namentlich forderten. Die Bevölkerung hat in diesem Jahr von ihren Mitwirkungsmöglichkeiten Gebrauch gemacht und einen Gemeinderat mit neuen Mehrheitsverhältnissen gewählt, der nun die Defizite der Entscheidungsfindung aus dem Jahre 2016 auszugleichen versucht. Hätte man bereits vor drei Jahren die Entscheidung auf eine breitere demokratische Basis gestellt, wäre eine neuerliche Abstimmung im Gemeinderat nun nicht erforderlich.

Zur Sache: Es gibt bereits 2 Pkw-Unterführungen, die nur wenige 100 m vom Bahnhof entfernt sind. Die Befürworter einer dritten Pkw-Bahnunterführung in Söllingen argumentieren, dass ohne diese Unterführung erhebliche Pkw–Mehrkilometer im Ort gefahren würden. Hierbei wird allerdings davon ausgegangen, dass die Mobilität in den nächsten Jahrzehnten so Pkw-fixiert bleibt, wie sie im Moment ist. Aber die Mobilität wird sich wandeln. Angesichts des Klimawandels werden sich manche unserer Lebensgewohnheiten verändern müssen. Dies gilt es auch bei der Gestaltung unserer Verkehrswege zu berücksichtigen. Der begrenzte Verkehrsraum und die begrenzten Finanzmittel, die uns zur Verfügungstehen, werden sich zugunsten der Fußgänger und der Fahrradfahrer entwickeln. Die neue Unterführung kann auf jeden Fall von Fußgängern, Rollstuhlfahrern, mit Fahrrädern, Lastenrädern, E-Bikes, E-Rollern, Kinderwagen und Rollatoren genutzt werden, aber nicht von großen SUVs. Und das gesparte Geld kann man anderweitig einsetzen. Als Beispiel sei folgendes Szenario genannt: Die Gemeinde co-finanziert mit dem Geld, das durch den Verzicht auf eine dritte Pkw-Unterführung eingespart wird, eine Ring-Buslinie. Bürger ohne eigenes Auto, mobilitätseingeschränkte Menschen und Leute, die einfach CO2 einsparen wollen, können so in einem umweltfreundlichen Kleinbus zum Einkaufen oder zum Arzt auf die andere Seite der Bahntrasse oder zum Supermarkt fahren. Das ist die mobileZukunft. Außerdem können andere Projekte angegangen werden, die den Lebensraum der Menschen verbessern, wie z.B. der Kelterplatz, statt ihn für Autos zu verbrauchen. Es bleibt also festzuhalten:

1. Die Verkehrswende zugunsten neuer Mobilitätskonzepte hat die letzten Jahre bundesweit an Dringlichkeit gewonnen und wird auch an Pfinztal nicht vorbeigehen. Berechnungen, die ohne dritte Pkw-Unterführung Millionen zusätzlicher PKW-Kilometer in Söllingen befürchten, lassen diese Entwicklung völlig außer Acht.

2. Die finanzielle Belastung für die Gemeinde beträgt beim Bau der dritten Pkw-Unterführung mindestens 8,5 Mio €. Die Belastung für die Gemeinde beim Bau einer reinen Fußgänger- und Fahrradunterführung beträgt ca. 2,2 Mio €. Die bisherigen Planungskosten einschließlich eventueller Regressforderungen betragen maximal 1,88 Mio €. Beim Verzicht auf die dritte Pkw-Unterführung spart die Gemeinde Pfinztal also mindestens 4,42 Mio €.

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